Germany should take lead in global reduction of hazardous substances – UN expert

832
German version, please see below

Berlin (7 December 2015) – “Germany is well placed to take the global lead in preventing harm from the use of hazardous substances and ending double standards in the use of such chemicals outside the European Union,” the UN expert on human rights and hazardous substances and waste, Baskut Tuncak, said today*.

Mr. Tuncak was speaking at a news conference where he presented his preliminary findings and conclusions at the end of an eight-day visit to Germany.  

“When viewed through the human rights lens, several recent achievements in Germany and the European Union stand out, which have helped protect or realize the rights to information, effective remedy, life, health, safe food, safe drinking water and sanitation, adequate housing, a healthy environment and a safe workplace,” he said.

“But unfortunately, chemicals banned from use in the EU because they have unmanageable risks are still exported or manufactured for use outside EU borders by German companies to countries with far weaker or essentially non-existent systems for chemicals management,” the Special Rapporteur noted. “Workers and communities in developing countries are particularly at risk from such practices.”  

For all stages – extraction, production, use, emission and disposal – of hazardous substances, strong global standards were necessary to prevent double standards to ensure businesses respect human rights at home and abroad, the Special Rapporteur stressed. “I encourage the German government to be active in developing a strong global regime for chemicals management”, he said.

“I am confident that Germany can lead efforts, which might serve as an inspiration to other countries, to reduce the use of hazardous substances that impact human rights and prevent double standards. I look forward to seeing German businesses emerge as leaders in the transition to safe chemicals and to the German Government’s efforts to better enable this shift,” Mr Tuncak stressed.

He also reiterated a call made earlier this year by himself and the Special Rapporteur on the Right to Food to set an ambitious target for the phasing out of highly hazardous pesticides, or HHPs.  

Mr. Tuncak praised Germany’s long-standing reputation for innovation that achieves high standards of quality and performance. He highlighted positive developments by some German companies in developing private procurement policies to create incentive to protect of human rights, and in increasingly adhering to the Guiding Principles on Business and Human Rights.  

“However, I also heard concerns during my visit regarding the potential adverse health impacts of toxic chemicals on young children, and the challenge of holding those responsible to account,” he said. “In pursuit of protecting the rights of the child, Germany and other EU member states have an opportunity to be global leaders by developing strong, health-based criteria for endocrine (hormone) disrupting chemicals (EDCs).”

Mr. Tuncak’s visit, from 30 November to 7 December, aimed to gather information on good practices from the German Government and businesses on the protection of people from hazardous substances and waste. It included meetings with a large number of representatives of public institutions, corporations, industry associations, trade unions and civil society organizations in Berlin, Bonn, Frankfurt, Leverkusen and Ludwigshafen.

The Special Rapporteur will prepare a final report with conclusions and recommendations on topics studied during the mission, which will be presented to the Human Rights Council in September 2016.
(*) Check the full end-of-mission statement:  http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=16847&LangID=E

Mr. Baskut Tuncak (Turkey) was appointed Special Rapporteur on the implications for human rights of the environmentally sound management and disposal of hazardous substances and wastes by the UN Human Rights Council in 2014. Learn more, visit:  http://www.ohchr.org/EN/Issues/Environment/ToxicWastes/Pages/SRToxicWastesIndex.aspx

The Special Rapporteurs are part of what is known as the Special Procedures of the Human Rights Council. Special Procedures, the largest body of independent experts in the UN Human Rights system, is the general name of the Council’s independent fact-finding and monitoring mechanisms that address either specific country situations or thematic issues in all parts of the world. Special Procedures’ experts work on a voluntary basis; they are not UN staff and do not receive a salary for their work. They are independent from any government or organization and serve in their individual capacity.

UN Human Rights, country page – The Republic of Germany:
http://www.ohchr.org/EN/countries/ENACARegion/Pages/DEIndex.aspx

_________________________________

        Deutschland sollte laut UNO-Experte bei der weltweiten Verringerung von gefährlichen Stoffen eine Führungsrolle übernehmen

Berlin (7. Dezember 2015) – „Deutschland befindet sich in einer guten Position, um bei der Vorbeugung von Schäden durch die Anwendung gefährlicher Stoffe sowie bei der Eindämmung von Doppelstandards hinsichtlich der Verwendung dieser Chemikalien außerhalb der Europäischen Union eine Führungsrolle zu übernehmen,” sagte der UNO-Experte für Menschenrechte und gefährliche Stoffe und Abfälle, Baskut Tuncak.*

Baskut Tuncak hielt heute eine Pressekonferenz ab, auf der er seine ersten Ergebnisse und Schlussfolgerungen im Anschluss an seinen achttägigen Besuch in Deutschland vorstellte.  

„Aus menschenrechtlicher Sicht fallen einige jüngst erzielte Erfolge im Bereich der Verwaltung von Chemikalien in Deutschland und der EU besonders auf, die dabei geholfen haben, das Auskunftsrecht, das Recht auf wirksamen Rechtsbehelf, das Recht auf Leben, Gesundheit, sichere Nahrung, sicheres Trinkwasser und sanitäre Anlagen, angemessenes Wohnen, eine gesunde Umgebung und einen sicheren Arbeitsplatz zu schützen oder zu verwirklichen,” sagte er.

„Unglücklicherweise werden in der EU zur Anwendung verbotene Chemikalien infolge unüberschaubarer Risiken dennoch weiterhin durch deutsche Unternehmen für den Einsatz außerhalb der EU in Länder mit einem weitaus schwächeren oder faktisch nicht existenten System zur Chemikalienkontrolle exportiert oder hergestellt,” merkte der Sonderberichterstatter an. „Arbeitnehmer und Gemeinschaften in Entwicklungsländern sind durch solche fortwährenden Praktiken besonders gefährdet.”  

Es seien für alle Stufen (Abbau, Herstellung, Verwendung, Freigabe und Entsorgung) gefährlicher Stoffe starke weltweite Standards notwendig, um das Auftreten von Doppelstandards zu vermeiden und sicherzustellen, dass Unternehmen die Menschenrechte im In- und Ausland beachten, betonte der Sonderberichterstatter. „Ich ermutige die Bundesregierung, sich aktiv in die Entwicklung eines stärkeren weltweiten Systems für das Management von Chemikalien einzubringen”, so Tuncak.

„Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland bei den Bemühungen für einen verringerten Einsatz von gefährlichen Stoffen, die Bedeutung für die Menschenrechte haben, und bei der Vermeidung von Doppelstandards wichtige Impulse für andere Länder setzen kann. Ich freue mich darauf zu sehen, wie deutsche Unternehmen beim Übergang zu sichereren Chemikalien die Führung übernehmen und die Bundesregierung Anstrengungen unternimmt, um diese Umstellung zu erleichtern,” betonte Baskut Tuncak.

Er wiederholte außerdem seinen gemeinsam mit dem Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung zuvor geäußerten Aufruf, sich ambitionierte Ziele für den Ausstieg aus den hoch gefährlichen Pestiziden, auch als HHPs bekannt, zu setzen.  

Baskut Tuncak lobte Deutschland dafür, dass es seit langem für Innovation bekannt sei, welche die höchsten Qualitäts- und Leistungsstandards erfülle. Er unterstrich die positiven Entwicklungen einiger Unternehmen, die private Beschaffungsanforderungen entwickelt und so die notwendigen Anreize für den stärkeren Schutz der Menschenrechte geschaffen hätten. Darüber hinaus lobte er die zunehmende Beachtung der UNO-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte.  

 „Allerdings berichtete man mir während meines Besuches von Bedenken hinsichtlich möglicher schädlicher Auswirkungen von giftigen Chemikalien auf die Gesundheit von Kleinkindern sowie die großen Herausforderungen dabei, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.” „Bei den Bestrebungen zum Schutz der Rechte des Kindes haben Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit, eine weltweite Führungsrolle bei der Entwicklung von starken, gesundheitsbasierten Kriterien für hormonell aktive Substanzen mit schädlicher Wirkung (Endokrine Disruptoren, EDCs) einzunehmen,” sagte der Sonderberichterstatter.

Der Besuch des Sonderberichterstatters Baskut Tuncak vom 30. November bis zum 7. Dezember 2015 hatte zum Ziel, Informationen über gute Praxisbeispiele der deutschen Regierung und der Wirtschaft hinsichtlich des Schutzes der Menschen vor gefährlichen Stoffen und Abfällen zu sammeln. Im Rahmen des Besuchs fanden Treffen mit einer Vielzahl von Vertretern öffentlicher Einrichtungen, Unternehmen, Industrieverbänden, Gewerkschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft in Berlin, Bonn, Frankfurt, Leverkusen und Ludwigshafen statt.

Der Sonderberichterstatter wird einen Abschlussbericht mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen zu den während des Besuchs behandelten Themen vorbereiten und dem Menschenrechtsrat im September 2016 vorstellen.

(*) Vgl. auch die vollständige Abschlusserklärung :  http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=16847&LangID=E

Baskut Tuncak (Türkei) wurde vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen im Jahr 2014 als Sonderberichterstatter über die menschenrechtlichen Implikationen von umweltgerechter Behandlung und Entsorgung von gefährlichen Stoffen und Abfällen ernannt. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.ohchr.org/EN/Issues/Environment/ToxicWastes/Pages/SRToxicWastesIndex.aspx

Die Sonderberichterstatter sind Teil der Sonderverfahren des Menschenrechtsrates. Sonderverfahren, der größte Mechanismus von unabhängigen Experten im Menschenrechtssystem der Vereinten Nationen, ist die allgemeine Bezeichnung für unabhängige Erkundungs- und Überwachungsmechanismen des Menschenrechtsrates, die entweder bestimmte Ländersituationen oder thematische Fragen in allen Teilen der Welt betreffen. Die Experten der Sonderverfahren arbeiten auf freiwilliger Basis; sie sind nicht UNO-Mitarbeiter und erhalten kein Gehalt für ihre Tätigkeit. Sie sind von jeglicher Regierung oder Organisation unabhängig und handeln in ihrer persönlichen Kapazität.